Der Herzogstand – mit Wanderführer Günther mit neuen Einblicken...

Familienurlaub im ZugspitzLand: Ausprobieren, Anfassen, Entdecken

12. März 2020 Kommentare (0) Allgemein, Sommer, Wandern & Bergsteigen

Eisheilige, Schwalben & Siebenschläfer: auf dem Bauernregelweg in Altenmarkt-Zauchensee

Bauernschlau durch Wind und Wetter – das ist das Motto des Erlebnis-Rundwegs, der Spaziergängern auf fünf Kilometern und an 22 Stationen die alten Bauernweisheiten näherbringt. Die Wanderung, die an der Köpferkehre beginnt und über das Habersattgut und die Reitlehenalm führt, liegt auf einem bewaldeten Bergrücken auf der Sonnenseite von Altenmarkt und eröffnet immer wieder herrliche Ausblicke auf den Ort und in Richtung Zauchensee. Holzliegen laden zum Waldbaden ein und Infotafeln mit launigen Wettersprüchen lassen die Wanderer schmunzeln und staunen. Wie hoch der Wahrheitsgehalt der althergebrachten Bauernregeln ist? Manch‘ eine Ungenauigkeit ist wohl dem Reim geschuldet, aber irgendetwas muss ja dran sein, wenn sich Landwirte und Hobbygärtner seit Jahrhunderten danach richten.

„Die Geranien kommen bei uns erst nach den Eisheiligen auf den Balkon“, sagt Martin Steffner, der den Bauernregelweg 2008 initiiert hat. Denn: „Servaz und Sophie müssen vorüber sein, will der Bauer vor Nachtfrost sicher sein.“ Das besagt jedenfalls die Regel zu den „Eismandern“, die Mitte Mai für einen Temperatursturz sorgen sollen – „ganz egal, wie schön der Mai bis dahin war“, betont der Altenmarkter Bio-Landwirt. Bereits als Kind hat Steffner die wichtigsten Bauernregeln verinnerlicht und richtet sich auch heute noch nach ihnen. Der 53-Jährige lebt mit seiner Familie auf dem Bio-Bauernhof Habersattgut auf dem Schwemmberg, an dem der Bauernregelweg selbstverständlich auch vorbeiführt.

Wenn Schäfchenwolken ziehen…

Als Steffner damals die Idee für den Erlebnisweg entwickelte, sollte es eigentlich nur ein kleiner Rundweg für die Gäste seines Hofes werden. Doch Altenmarkt-Zauchensee Tourismus war von der Idee begeistert und baute den Weg gleich auf fünf Kilometer aus. 22 Infotafeln aus Holz und mit liebevoll gestalteten Metallsymbolen eines heimischen Künstlers verziert, führen die Besucher durchs Bauernjahr und vorbei an volkstümlichen Wetterweisheiten. Einige beziehen sich ganz allgemein auf Monate oder Wetterphänomene wie Föhn, Blitz und Donner – so zum Beispiel der Spruch „Wenn Schäfchenwolken am Himmel steh’n, kann man ohne Schirm spazieren geh’n“. Andere lehnen sich an Lostage wie Maria Lichtmess oder dem Siebenschläfer-Tag, die sich am Heiligen-Kalender der christlichen Kirche orientieren.

Was sich reimt, ist wahr?

Die Bauernregeln entstammen einer Zeit, in der es zwar noch keine Meteorologen gab, die Observierung des Wetters dennoch überlebensnotwendig war. Die langfristigen Wetterbeobachtungen und die daraus abgeleitete Prognosen und Verhaltenstipps einmal in humorige Reimform gegossen, waren sie leicht zu merken und zu wiederholen. Dass die Bauernweisheiten meist einen wahren Kern haben, erfahren Spaziergänger auf der zweieinhalbstündigen Runde durch den Wald, der sich immer wieder lichtet und die Aussicht auf Altenmarkt und Zauchensee freigibt. So verrät etwa die Infotafel über tieffliegende Schwalben, die ja vermeintlich Regenwetter ankündigen, dass der Tiefflug eigentlich ihrem Appetit auf Fliegen zu verdanken ist. Denn diese bleiben bei hoher Luftfeuchtigkeit und starkem Wind (typische Phänomene, bevor der Regen einsetzt) näher an der Erde – und die Vögel jagen ihnen lediglich hinterher. Die eigentlichen Wetterindikatoren sind in diesem Fall also die Insekten.

Wo sich Fuchs, Hase und Reh „Gute Nacht“ sagen

Tieren begegnet der aufmerksame Wanderer auf dem Bauernregelweg sowieso immer wieder. Mal zwitschert ein Vöglein von den Baumwipfeln, mal springt ein flinkes Eichhörnchen von Ast zu Ast. Wer genau hinschaut, entdeckt den lebendigen Mikrokosmos im Wald. Vor allem Kinder freuen sich über Entdeckungen wie Ameisenstraßen oder Schmetterlingskokons. Während große Geschwister und Eltern sich an den Schautafeln informieren oder auch einmal auf einer Waldliege entspannen, erleben die kleinen Waldentdecker ihr grünes Wunder beim Spiel in der Natur.

Urlauber, die noch mehr über Altenmarkt-Zauchensees Natur und Geschichte erfahren wollen, haben die Wahl zwischen verschiedenen, geführten Wanderungen. Angeboten werden die Touren zwischen Juni und September, die Teilnahme ist kostenlos. Dienstags geht’s auf „Kräuter.Spaziergang“, mittwochs zur Almwanderung in die Radstädter Tauern.

Familientauglich: wenig Steigung, gute Einkehrmöglichkeiten

Ideal für Familien ist neben dem (gelände-)kinderwagentauglichen Mondpfad auch der Bauernregelweg – dank geringer Steigung und abwechslungsreicher Stationen zum Innehalten. Die Jüngsten schauen und staunen in der Babytrage, die Größeren schaffen den Weg ganz allein. Zwischendurch kehren die Wetter-Wanderer auf der Reitlehenalm oder auf dem Habersattgut ein, das mit Streichelzoo und Spielplatz der Kinderfavorit ist.

Apropos „Wahrheitsgehalt“: Bei so mancher Bauernregel ist der (erwachsene) Wanderer aufgerufen, selbst darüber zu entscheiden. So auch bei der Weisheit, mit der der Erlebnisweg endet: „Fehlt der Knecht am Morgen ständig, ist die Magd nachts zu lebendig.“

Weitere Infos findet ihr hier: www.altenmarkt-zauchensee.at

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