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17. März 2020 Kommentare (0) Sommer, Sommer-Tipps, Wandern & Bergsteigen

Die Heilige Landschaft Pfaffenwinkel führt zu ganz besonderen Orten 

„Die Aufzeichnung wurde angehalten“, vermeldet die Fitnessuhr, die Schritte und Geschwindigkeit, Puls, Herzfrequenz und alles Mögliche misst. Als Aktivitätsprogramm ist „Wandern“ eingestellt, doch wir wandern nicht, wir pilgern. Manche sagen, Pilgern sei so etwas wie langsames Wandern, aber das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Pilgern ist weit mehr, auch wenn es zugegebenermaßen langsam vorangeht. So langsam, dass die Fitnessuhr die Aufzeichnung anhält. „Es geht nicht darum Kilometer zu machen, sondern die Natur zu erleben und Ruhe zu finden“, sagt Gabriele Hoss-Reinhard. Gabriele muss es wissen, sie ist ausgebildete Pilgerbegleiterin im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Die Voralpenidylle mit ihren 159 Klöstern, Kirchen und Kapellen ist fürs Pilgern wie geschaffen, weshalb die Gegend zwischen Starnberger See und Schongau gleich von drei regionalen Pilgerwanderwegen durchzogen wird.

„Heilige Landschaft Pfaffenwinkel“ heißt das Pilgerwegenetz, das zu ganz besonderen Orten der Region führt. Zum Kloster Andechs auf dem Heiligen Berg. Zum Kloster Wessobrunn mit seiner berühmten Tassilolinde. Zur Wieskirche in Steingaden, einem Weltkulturerbe der UNESCO. Doch es sind nicht nur die Klöster und Kirchen, die den Pfaffenwinkel und seine Pilgerwanderwege ausmachen, sondern auch eine intakte Kulturlandschaft, wie es sie selten gibt. Die Flüsse, die Seen, die Wälder. Und die Berge, natürlich. Peter Frank hat sie schon immer gespürt, diese unsichtbare seelische Kraft hier. Kein Wunder, Frank ist im Pfaffenwinkel aufgewachsen, dennoch braucht es ein besonderes Gefühl dafür. Der 44-Jährige hatte nicht nur das Gespür, sondern auch eine Idee. Er wollte die zahlreichen Kraftplätze dieser Gegend durch Pilgerwege verbinden. So entstand 2015 die Heilige Landschaft Pfaffenwinkel – drei Mehrtageswanderungen, die alle an einem Punkt, dem Hohen Peißenberg auf 988 Metern, beginnen und von dort in drei unterschiedlichen Schleifen durch den Pfaffenwinkel führen.

Gabriele Hoss-Reinhard führt von erster Stunde an Interessierte über die Westschleife „Wilde Flüsse“. Mit insgesamt sechs Tagesetappen und 76 Kilometern Gesamtlänge zwar die kürzeste, vom Streckenprofil aber auch die anspruchsvollste Tour. Sie führt durch die wild-romantische Ammerschlucht und das Wiesfilz über den Auerberg (1055 m), dem nördlichsten Berg der Alpen und der höchsten Erhebung im Pfaffenwinkel. Viel zu viel für einen Tag. Daher reicht die heutige Tagestour vom Hohen Peißenberg nach Rottenbuch.

Es ist eine kleine Gruppe, sechs Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen an diesem strahlenden Samstag zusammengefunden haben und die doch eines eint. Alle wollen sie für sich sein und doch in der Gemeinschaft, sie wollen Ruhe finden und vielleicht auch ein bisschen zu sich selbst. Auf sie wartet 16 lange Kilometer – erst vom Berg hinunter, dann durch Wald- und Wiesenlandschaften und schließlich am steilen Hang entlang durch die Ammerschlucht. Immer wieder macht Gabriele Pausen und lädt die Gruppe zu spirituellen Impulsen ein. Das können kurze Gebete, spezielle Körper- und Atemübungen, aber auch bewusste Schweigephasen oder selbstgeschriebene Lieder sein. Und mit jedem Schritt, mit jedem Lied überträgt sich Gabrieles positive Ausstrahlung und heitere Gelassenheit auf die Gruppe, eine ganz eigene Ruhe macht sich breit.

„Pilgern ist weit mehr als langsames Wandern, auch wenn es zugegebenermaßen nicht schnell vorangeht“, erklärt Gabriele Hoss-Reinhard. Irgendwann meldet sogar die Fitnessuhr, die Schritte und Geschwindigkeit, Puls, Herzfrequenz und alles Mögliche misst: „Die Aufzeichnung wurde angehalten.“

Genau dieses bewusste und geradezu meditative Gehen hat Gabriele Hoss-Reinhard dazu gebracht, sich zur Pilgerbegleiterin ausbilden zu lassen. Für die 61-Jährige hat alles mit dem Jakobsweg angefangen. Danach fragte eine Freundin, ob sie gemeinsam nach Santiago de Compostela laufen wollen. „Bist du verrückt?“, hat Gabriele gesagt. „Ich mache einen Weg doch nicht zwei Mal.“ Nun, vielleicht nicht zwei, aber doch mehr als 30 Mal. So oft ist sie in den vergangenen fünf Jahren die Westschleife gegangen. Und was ist mit Ost- und Nordschleife? Die hat Gabriele seit Kurzem in ihr Pilgerprogramm mit aufgenommen. Denn: „Jede Route hat ihren eigenen Charakter“, sagt Gabriele freudig „und ergänzen sich dabei auf wundervoll harmonische Weise“.

Infos zur Heiligen Landschaft Pfaffenwinkel

Die Heilige Landschaft Pfaffenwinkel gibt es seit 2015. Sie umfasst drei Mehrtages-Pilgerwanderwege mit insgesamt 21 Etappen und 311 Kilometern. Ausgangs- und Zielpunkt ist jeweils der Hohe Peißenberg, ein bedeutender Wallfahrtsort. Die Nordschleife steht unter dem Motto „Sprudelnde Quellen“ und führt auf 96 Kilometern und sieben Tagesetappen durch einen der größten Eibenwälder Deutschlands. Über Wessobrunn und den Ammersee geht’s bis zum Kloster Andechs auf dem Heiligen Berg. Immer vorbei an zahlreichen Quellen, die der Route ihren Namen gab. Die Ostschleife, „Spiegelnde Wasser“, umfasst acht Tagesetappen und ist mit insgesamt 139 Kilometern die längste der drei Pilgerrouten. Sie verbindet so bedeutende Klosterorte wie Polling, Bernried und Benediktbeuern und ist geprägt vom Starnberger See, den Osterseen sowie den vielen kleineren Gewässern und Weihern. Die Westschleife „Wilde Flüsse“ führt vom Hohen Peißenberg durch die Ammerschlucht über Rottenbuch zur Wieskirche (UNESCO-Weltkulturerbe), nach Steingaden und weiter über den Auerberg, mit 1.055 Metern die höchste Erhebung im Pfaffenwinkel, ins mittelalterliche Schongau.

Infos zum Pfaffenwinkel

Der Pfaffenwinkel liegt in Oberbayern und repräsentiert als Tourismusmarke die 34 Gemeinden des Landkreises Weilheim-Schongau sowie die Gemeinde Bad Bayersoien. Er erstreckt sich zwischen Lech und Loisach sowie zwischen Starnberger See, Ammersee und den Alpen. Besonders charakteristisch sind die zahlreichen Kirchen und Klöster, denen die Region ihren Namen verdankt. Weitere Informationen: www.pfaffen-winkel.de

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