Wenn’s nass und dreckig is, isses gut!

Oberland: sieben Skigebiete in einem Urlaub

14. Januar 2019 Kommentare (0) Skifahren, Winter, Winter-Tipps

Viele Grüße aus dem „Schneeloch“ Pillerseetal

Günther Aigner ist einer, der nicht genug Daten und Fakten sammeln kann. Aigner ist Skitourismusforscher und hat für seine Heimat, das Pillerseetal, die Schneehöhendaten der vergangenen 130 Jahre ausgewertet. Sein überraschendes Ergebnis: Es gibt NICHT weniger Schnee, sondern die Schneefälle sind annähernd gleich geblieben. Schaut man auf die vergangenen 30 Jahre, so sieht Aigner sogar eine steigende Tendenz.

Das sind doch mal gute Nachrichten. Da hört man jahrein, jahraus, dass wir uns schön langsam, aber sicher vom Winter verabschieden müssen – und dann kommt da ein Skitourismusforscher und behauptet das Gegenteil. Wir haben Günther Aigner in Fieberbrunn getroffen und wollten mehr über seine überraschenden statistischen Ergebnisse wissen. Die Anreise ins Pillerseetal war schon abenteuerlich genug, 175 cm stand auf dem Schneehöhenpegel in Fieberbrunn – was einem 100-jährigen Schneereignis gleichkommt. Weitere Schneefälle waren angekündigt – und zwei Tage nach unserem Interview hat das Pegel in Hochfilzen die 2-Meter-Marke geknackt.

Günther Aigner ist Schneestatistiker und vergleicht die Schneewerte von 120 Jahren.

Günther Aigner ist Schneestatistiker und vergleicht die Schneewerte von 120 Jahren.

Bei der Schneehöhe wird der je nach Jahr höchste Schneehöhenwert notiert. Der Wert gibt also die Spitzenwerte im jeweiligen Winter an, sagt aber noch nicht in letzter Konsequenz, ob es auch ein „guter Winter“ war – mit lang anhaltender Schneedecke. Im Gegenteil: Die Schneespitzenwerte machen den Tourismusdestinationen eher zu schaffen: Die Schneemengen müssen aus den Orten gefräßt werden, die Lawinengefahr steigt, Pisten und Straßen müssen gegegebenenfalls gesperrt werden. Ideal ist es also für die Wintersportorte, wenn sie früh ausreichende Schneefälle haben, die lang anhalten und immer wieder durch frischen weißen Zauber überzuckert werden.

Aigner arbeitet mit amtlichen Schnee-Messreihen, die in Tirol seit Ende des 19. Jahrhunderts geführt werden. Er wohnt in Waidring im Pillerseetal und hat für seine Heimat diese Daten einer ausgiebigen Analyse unterzogen. Sein Ergebnis ist, dass es im Vergleich der vergangenen 30 Jahre eher eine leicht steigende Schneehöhentendenz gibt – und dass im 120-Jahres-Vergleich der Schneehöhenwert sehr stabil geblieben sei. Wilde Winter gab es in der Kriegs- und Nachkriegszeit und in den 1980-er Jahren, aber auch längere Jahresfolgen mit eher schneearmen Wintern seien dem Blick in die Statistiken zu entnehmen. Das aktuelle Jahr 2019 werde, soviel ist jetzt schon klar „schneetechnisch komplett durch die Decke“ gehen – Aigner spricht von einem 300-jährigen Schneefallereignis. Hat der extrem schneereiche Winter etwas mit dem sehr sonnigen und wasserarmen Sommer zu tun? „Manchmal ist Wetter eben nur Wetter“, zitiert Günther Aigner den Meteorologen Jörg Kachelmann.

Das Pillerseetal sei dank der zuverlässigen Nordstaulagen, wenn kalte Luft vom Polarkreis nach Süden zieht und gegen die Alpen prallt, eines der absoluten „Schneelöcher“ im Alpenbogen. Tiefdruckgebiete aus Tschechien, die über dem Pillerseetal abschneien, sind die Grundvoraussetzung dafür, dass es mit dem Schneereichtum auch noch ein bisschen weitergehen könnte. Kann man Aigners Ergebnisse verallgemeinern? „Auf keinen Fall“, sagt er. „Ich möchte auf keinen Fall behaupten, dass es den Klimawandel nicht gibt. Wir haben in den Alpen viel zu warme Sommer – mit allen negativen Auswirkungen auf Flora und Fauna. Aber die Winter sind erstaunlicherweise aus statistischer Sicht stabil“.

Um das zu belegen, seht ihr hier noch einen Bilderbogen vom vergangenen Wochenenende im Pillerseetal und bei den Bergbahnen Fieberbrunn!

Das Interview wurde ermöglicht durch eine Kooperation mit dem TVB Pillerseetal.

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