Winter-Aktiv oder Kunst und Kultur im Tölzer Land

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7. Januar 2021 Kommentare (0) Winter, Winter-Tipps, Winterwandern

Streifzüge durchs Winterwanderland Murnau

Von herzlosen Drachen über schwelgende Regenten bis zu inspirierten Künstlern: Murnaus Themenwege faszinieren besonders im Winter.

Anfangs waren es vor allem die „Sommerfrischler“, die der Enge und Hitze der Großstadt entfliehen wollten: Denn als 1879 die Eisenbahnlinie München-Murnau eröffnete, etablierte sich der Markt am Staffelsee schnell als perfektes, sommerliches Naherholungsziel für die Münchner Bohème. Könige, Literaten und Maler fanden im lebendigen Ortskern und der lieblichen Natur Erholung und vor allem Inspiration. Inzwischen hat sich die kreative Marktgemeinde zur beliebten Ganzjahres-Destination weiterentwickelt. Gut zu bewältigende Themenwanderwege durch die hügelige Voralpenlandschaft laden Besucher heute dazu ein, die Faszination der illustren Murnau-Fans auf Schritt und Tritt nachzuempfinden. Besonders reizvoll sind diese ausgedehnten Spaziergänge an sonnigen Wintertagen, wenn sich bei knackig-klarer Sicht die verschneiten Gipfel des Wettersteingebirges am Horizont abzeichnen. Spezielle Hotelarrangements versüßen den Aufenthalt zusätzlich. www.murnau.de

Königsweg: Open-Air-Museum mit traumhafter Aussicht
Spätabends meist, nachdem er seine Schlösser am Starnberger See besucht hatte, der Kutschweg bis in die geliebten Berge aber zu beschwerlich schien, kehrte König Ludwig II. in Murnau ein: im Hotel Post, das noch heute am Obermarkt Gäste beherbergt. Auf die schlechten Zähne des Monarchen Rücksicht nehmend kredenzten ihm August Bayerlacher und Frau zwar gute bayerische Kost, doch, so will es die Legende, püriert. Gern ließ der Märchenkönig seinen Blick von einem nahe gelegenen Aussichtshügel aus über den Staffelsee schweifen und entwarf im Geiste auf der Insel Wörth ein Mini-Versailles. Die Besitzer verweigerten den Verkauf der Insel, Ludwig kehrte Murnau den Rücken. Posthalter Bayerlacher aber blieb ihm treu und ließ 1894, sechs Jahre nach Ludwigs Tod, Bayerns erstes Ehrendenkmal für den „Kini“ erbauen. Es steht direkt vor dem heutigen Kultur- und Tagungszentrum (KTM) und ist die erste Station des Naturlehrpfads „Königsweg“. Der schlängelt sich über vier Kilometer durch den Ort und über die Ludwigshöhe, führt zum Staffelsee und endet nach zwei Stunden wieder am „Kini“. 17 Infotafeln und zwei Pavillons machen aus dem Weg ein Open-Air-Museum, das unterhaltsam über die Ortsgeschichte informiert. Wer beim Museumsbesuch auch gern ein Dach überm Kopf hat, wählt die Pauschale des Hotels Post „Kunst im Blauen Land erleben“. Drei Nächte mit Frühstück inkl. Eintritt in Schloßmuseum und Münterhaus gibt es in der Hauptsaison ab 248 Euro pro Person.

Drachenstich-Rundweg am Moos entlang
Mit sechs Kilometern Länge ist der Drachenstich-Rundweg konditionell vielleicht der forderndste, aber sicher der landschaftlich schönste Themenweg, führt er doch in weiten Teilen am Murnauer Moos entlang. Start- und Endpunkt der dreistündigen Wanderung ist wieder das KTM. Ob Gelbbauchunke oder Turmfalke, ob Knabenkraut oder Karlszepter: Die 42 Quadratkilometer große, aus Wiesen, Wald sowie Hoch- und Tiefmooren bestehende Ebene, die von Estergebirge, Wettersteinmassiv und Ammergebirge gerahmt wird, ist das artenreichste und ursprünglichste Moor nördlich der Alpen und Heimat vieler vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Wer dem Drachenstichweg folgt, erreicht bald einen Höhenrücken, vor dem sich das Moos bis fast nach Garmisch ausdehnt. Jetzt heißt es: Innehalten und Staunen, wenn der Blick bis zu den verschneiten Bergspitzen geht. In der Natur zur Ruhe kommen ist auch die Devise im nahe gelegenen Fünf-Sterne Hotel Alpenhof. Für erholungssuchende Paare wird das Arrangement „Zeit zu Zweit“ mit Champagner und Candle-Light-Dinner die richtige Wahl sein. Weniger romantisch ist übrigens die namensgebende Legende des Rundwegs: Der Murnauer Lindwurm soll nämlich am Drachenstich, einem kleinen Wasserfall, arme Jungfrauen verspeist haben.

Horváth-Rundweg: „Gegen die Dummheit und die Lüge“
„Ich habe nur zwei Dinge, gegen die ich schreibe, das ist die Dummheit und die Lüge. Und zwei, wofür ich eintrete, das ist die Vernunft und die Aufrichtigkeit.“ So schrieb Ödön von Horváth 1932, ein Jahr, bevor er Murnau verließ und die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergriffen. Zehn Jahren lang hatte der Markt dem ungarisch-deutschen Autor als Inspirationsquell und als Reibungsfläche gedient. In Horváths kreativster Schaffenszeit entstanden z.B. die Komödie „Zur schönen Aussicht“ und der Roman „Jugend ohne Gott“. Ihr starker Wiedererkennungswert war für die Murnauer nicht immer schmeichelhaft, das Verhältnis zum Dichter, der ihnen gar arg aufs Maul schaute, ambivalent. Dennoch widmet sich heute ein 3,3 Kilometer langer Rundweg dem Dramatiker, der zunächst durch den von eigentümergeführten Geschäften gesäumten Unter- und Obermarkt führt. Wem nach dem Erlebnis-Exkurs in die deutsche Literatur der Sinn noch nach zeitgenössischer Kunst steht, macht noch einen Abstecher ins Angerbräu im Untermarkt. Das Hotel beherbergt nämlich die Galerie „Blaue Burg“ und damit wechselnde Ausstellungen lokaler Künstler. Die bis März gültige Hotel-Pauschale „Winterzauber“ wendet sich vor allem an Urlauber, die das Blaue Land rund um Murnau erkunden wollen, wenn Schnee und Frost es zum „Weißen Land“ gewandelt haben. Wanderstöcke und -karten sind im Preis von 220 Euro pro Person für drei Nächte im Doppelzimmer ebenso inkludiert wie ein Vier-Gang-Gourmet-Menü.

Kunstspaziergang zur Wiege des „Blauen Reiter“
Im August 1908 zog es auch Wassily Kandinsky und Gabriele Münter nach Murnau. Wie sehr es das Künstlerpaar inspirierte, erklärt Münter so: „Ich habe da nach einer kurzen Zeit der Qual einen großen Sprung gemacht – vom Naturabmalen zum Fühlen eines Inhalts, zum Abstrahieren – zum Geben eines Extraktes.“ Folgerichtig liegt die Wiege des „Blauen Reiter“ und damit ein bedeutender Bestandteil des Deutschen Expressionismus in Murnau. Genauer: Im Münter-Haus in der Kottmüller-Allee. Durch diese vor 150 Jahren angelegte Eichenallee führt heute der Kunstspaziergang, der die Werke der Expressionisten an ihren Originalschauplätzen zeigt. So können die Motive an Ort und Stelle mit der Realität abgeglichen werden. Dank der Dauer-Ausstellung im Schloßmuseum lässt sich der Schritt vom „Naturabmalen“ zum Expressionismus, den Münter und ihre Freunde machten, detaillierter nachvollziehen. Der einstündige Spaziergang führt übrigens auch durch den Innenhof des Hotels Griesbräu, in dem sich Münter und Kandinsky während ihres ersten Murnau-Aufenthaltes sehr wohl gefühlt hatten. Heutige Gäste schätzen das Griesbräu, das erstmals 1676 als Braustätte Erwähnung fand, auch wegen seiner Pauschalen. Das ganzjährig buchbare „Bier erleben und genießen“-Arrangement beinhaltet drei Nächte mit Frühstück sowie eine Bier- und Bierlikörverkostung. Pro Person kostet sie ab 241,50 Euro.

Hier findet ihr mehr Infos zu den Themenwanderwegen!

 

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